Stücke

Der zerbrochne Krug

von Heinrich von Kleist

Ein Lustspiel

Gerichtstag in Huisum! Eigentlich kein Problem für Dorfrichter Adam. Wären da nicht zwei scheußlich blutige Schrammen auf seiner Glatze, rasende Kopfschmerzen, ein schrecklich abstinenter Gerichtsrat Walter, der schlaue Schreiber Licht, die zornsprühende Frau Marthe, der rabiate Schlagetot Ruprecht, begleitet vom jähzornigen Vater Veit, und schließlich Eve, sauer auf Adam, und nicht in der Stimmung ihm Paradiesäpfel anzubieten.

Was soll’s? sagt sich der Dorfrichter, und haut sich schwitzend durchs prozessuale Dickicht. Beinahe schafft er es, die wahrheitssuchende Meute abzuschütteln. Doch da kommt Frau Brigitte…

Ist es ein Wunder, das die rasanteste Gerichts Comedy deutscher Zunge, ausgerechnet vom Selbstmörder Heinrich von Kleist stammt? Von dem Mann der in seinem Abschiedsbrief an Schwester Marie schrieb, er sei innerlich „so wund, dass mir, ich möchte fast sagen, wenn ich die Nase aus dem Fenster stecke, das Tageslicht wehe tut, das mir darauf schimmert“. Liebe war Kleists Thema. In Liebe sein der Himmel, Lieblosigkeit die Hölle. Seine Mädchen-und Märchenhafte Frauengestalten erhellen mit ihren flammenden Herzen die Finsternis, und lehren die kriegsversessene Männerwelt zu lieben statt zu fürchten. Die Ur-Sünderin Eva der Bibel, ist im zerbrochenen Krug Kleists Heldin.


Der fröhliche Weinberg

Carl Zuckmayer

Ein Lustspiel

Der Wein und die Liebe spielen die Hauptrollen in Zuckmayers bacchantischen Hommage auf das Leben, das sich nicht kommandieren lässt. Der Weingutsbesitzer Gunderloch möchte die Hälfte seines Besitzes verkaufen, die andere – unter der Bedingung, dass Nachwuchs unterwegs ist – seiner Tochter vererben und sich selbst zur Ruhe setzen. Doch nach einer durchzechten und durchtanzten Spätsommernacht kommt alles ganz anders. Falsche Lebenspläne, falsche Liebhaber und falsche Schwüre landen buchstäblich auf dem Misthaufen…


Weitere Szenenbilder: “Der fröhliche Weinberg

 

Die Komödie »Der fröhliche Weinberg« machte Carl Zuckmayer 1925 zum Kleist-Preisträger und über Nacht zu einem der erfolgreichsten deutschen Dramatiker. Von 1925 bis 1933 war »Der fröhliche Weinberg« eines der meistgespielten Theaterstücke in Deutschland. Zuckmayer erzählt in seiner Autobiographie von der Berliner Premiere seines Stückes im Dezember 1925: »Bruck, der Regisseur, stand plötzlich neben mir ›Lachsalven‹, flüsterte er, ›Szenenapplaus!‹ (…) Als der Pausenvorhang fiel, setzte ein Applaus ein, das ich glaubte, der Kronenleuchter müsse herunterstürzen…«


Emilia Galotti

Gotthold Ephraim Lessing

Ein Trauerspiel 1772

Dreimal träumt Emilia von den Diamanten die ihr Appiani schenkte. Dreimal träumt sie, dass diese sich in Perlen verwandeln. Und Perlen bedeuten Tränen…  Liebt sie Appiani? Liebt er sie? Was ist Liebe? Und dann ist da noch ER, mit dem sie bei Grimaldis so viel lachte, sich so lange unterhielt, und an den sie immer wieder denken muss…

Warum stirbt Emilia? Lässt sie sich tatsächlich moralisch korrekt von ihrem Vater hinmeucheln? Ist sie eine Gans, oder ein Luderchen, wie Geheimrat Goethe ratlos fragte?

Für Lessing, den Pfarrerssohn aus dem sächsischen Kamenz, den Kirchenrebellen, Freimaurer und unumstritten hellsten Kopf der deutschen Aufklärung, war das „schwache“ Geschlecht das eindeutig stärkere. Frauen heißen bei ihm weder Gretchen noch Käthchen, und sie denken selbst. Was also passierte wirklich auf Schloss Dosalo? Die Theatermacher waren auf Spurensuche und sind zu überraschenden Schlüssen gekommen.


Minna von Barnhelm

Gotthold Ephraim Lessing

Ein Schauspiel in fünf Akten

Berlin nach dem Ende des siebenjährigen Krieges. Wegen eines gegen ihn anhängigen Ermittlungsverfahrens darf der verabschiedete Major von Tellheim die Stadt nicht verlassen. Zufällig nimmt seine ihn suchende Verlobte Minna von Barnhelm im gleichen Gasthof wie Tellheim Quartier. Der Major, der sich unter den gegebenen Umständen für keine “gute Partie” mehr hält, ist entschlossen, das Verlöbnis zu lösen. Mit weiblicher Raffinesse gelingt es Minna, seine Absicht zu vereiteln. Als sich die gegen Tellheim erhobenen Vorwürfe als falsch erweisen, stünde einem Happy-End nichts mehr im Weg, doch nun ist es Minna, die den Major zurückweist…

Zur Inszenierung:

“Was haben Sie denn gegen das Lachen?”, fragt Minna, um ihre Frage gleich darauf selbst zu beantworten: “Lieber Major, das Lachen erhält uns vernünftiger, als der Verdruss.” Dieser Intention Lessings folgt die temporeiche und komödiantische Aufführung. Acht Schauspieler agieren in fast doppelt so vielen Rollen. Darunter auch ein außerordentlich wandlungsfähiger Pudel, den es mit Sicherheit in noch keiner “Minna” gegeben hat. Die Inszenierung feiert vor allem den genialen Stückeschreiber Lessing, dem der Aufklärer und Humanist Lessing seine bis heute anhaltende Popularität verdankt.