Gastspiele: Der fröhliche Weinberg

Der fröhliche Weinberg

Szenenbilder: „Der fröhliche Weinberg“

Eine lebendige Inszenierung

Baden-Online, 18.04.2011

Amüsant arrangiertes Verwirrspiel um die Liebe

Von Manuela Bijanfar

Offenburg. Was passieren kann, wenn man zu tief ins Glas, in diesem Fall ins Weinglas, schaut, zeigten auf heiter-unterhaltsame Weise »die Theatermacher« aus Hamburg. Die Inszenierung von Carl Zuckmayers Stück »Der fröhliche Weinberg« setzten sie lebendig, lustig und mit großem schauspielerischen Können um.[…]

Es geht, wie der Titel schon sagt, um einen lukrativen Weinberg, den sein Besitzer Gunderloch (Jose Barros) zur Hälfte verkaufen, zur anderen Hälfte seiner Tochter Klärchen (Sylvie Wolfram) vererben will – allerdings nur, wenn sie den von ihm bestimmten Mann heiratet. Aber Klärchens Herz gehört dem Rheinschiffer Jochen (Patrick Abozen), einem derben, aber ehrlichen Zeitgenossen. Dem Korpsstudenten Knuzius (schön hölzern und affektiert gespielt von Fabian Cordua), der für sie vorgesehen ist, kann sie nichts abgewinnen.

Klärchens Vertraute ist ausgerechnet Annemarie (Ina Blus), Jochens Schwester und langjährige Vertraute ihres Vaters, die mit gutgemeintem Rat noch mehr Verwirrung stiftet. Nach einer Weinprobe und einem Szenenwechsel ins Wirtshaus »Landskron«, wo eifrig gezecht wird, findet das erwartete Finale furioso statt: Alle Beteiligten sind so sternhagelblau, dass sie sich in die Haare bekommen und in eine Massenschlägerei geraten.

Wie aber auch im richtigen Leben ordnen sich nach dem größten Chaos die Dinge wie von ganz alleine: Klärchen kriegt ihren Jochen, Vater Gunderloch die Annemarie und ganz nebenbei noch die Julia ihren Jakob. Sogar für den betrunken auf dem Misthaufen liegenden Knuzius findet sich auf die Schnelle schließlich noch eine Braut. Und so löst sich der derbe Streit in pures Wohlgefallen und ein glückliches Ende auf.

Herausragend war eindeutig das Spiel Patrick Abozens, der seine exotische Schönheit mit überzeugender Strahlkraft vereinnahmte. Fast genauso stark verkörperte Ina Blus ihre Rolle und gab der Figur der Annemarie große Präsenz. Doch insgesamt muss man aber sagen, dass alle Akteure eine überzeugende Darbietung ablieferten, wobei die Inszenierung stark von dem Wechsel zwischen Gesang und Schauspiel lebte und die Lieder die fröhliche Stimmung gut transportierten.

Mit viel verdientem Beifall und nochmals fröhlichen Liedern endete ein ausgesprochen unterhaltsamer Theaterabend.

Derber Klassiker von Carl Zuckmayer

Mindener Tageblatt, 03.04.2011

“Der fröhliche Weinberg” sorgt im Mindener Stadttheater für Begeisterung

Von Volker Knickmeyer

Minden. Der Vorhang geht auf – auf der Bühne ist schlagartig Tumult angesagt. Ein buntes Völkchen skurriler Typen tummelt sich auf den Brettern des Mindener Theaters und diskutiert über Vorzüge und Nachteile eines Weinberges.

Wo schaut man zuerst hin? Wem soll man zuerst zuhören? Zwei Stunden lang sorgt Carl Zuckmayers “Der fröhliche Weinberg” für im wahrsten Sinne des Wortes gute Unterhaltung. Wer ein oberflächliches Lustspiel erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Was die Hamburger “Theatermacher” am Freitagabend präsentierten, passte einfach – witzig, derb, leicht gesellschaftskritisch und vor allem bunt.

Carl Zuckmayer, dem so herrlich zeitkritische Stücke wie “Der Hauptmann von Köpenick” oder “Des Teufels General” zu verdanken sind, gelang der Erfolg des Stückes 1925 nicht auf Anhieb. Nur das Theater am Schiffbauerdamm in Berlin wollte es haben. Danach rissen sich deutsche Bühnen um die Aufführungsrechte, allerdings nur bis zur Machtübernahme der Nazis 1933. Es wurde verboten. […]

Verstärkung hatten sich die Hanseaten aus dem Mecklenburgischen Landestheater Parchim geholt. So stehen bis zu 20 kernige Norddeutsche auf der Bühne, die sich im Laufe des Stückes verschiedener Dialekte bedienen. Und endlich kann man einmal wieder bewundern, was ein guter Theatermaler imstande ist zu leisten. Die überdimensionale Bühnendekoration an der Rückwand ist perspektivisch fast auf dreidimensionalem Niveau und ein Augenschmaus. Die Bühnenrequisiten des Dreiakters sind wahre Hingucker: wanderpokalgroße Weingläser aus Holz!

Fabian Cordua stellt den abstoßenden, nationalistisch gesonnen Kandidaten für Ehe und Erbschaft, den überheblichen Assessor Knuzius dar, der es offensichtlich nur auf die Erbschaft abgesehen hat, und den Klärchen eigentlich gar nicht will. Diese nämlich liebt Jochen Most (Patrick Abozen), Mainschiffer und Bruder von Gunderlochs Haushälterin Annemarie (Ina Blus). Annemarie ist es dann auch, die Klärchen die Intrige eingibt, welche ihr den Erbschleicher vom Leib halten soll: Ihm wird gesagt, dass die Bedingung erfüllt sei und er nun auf Hochzeit und Mitgift hoffen könne!

Diese Lüge sorgt in der Folge natürlich für allerlei Verwirrung, die darin gipfelt, dass nach lustigem Zechen im Dorfwirtshaus die beiden Kontrahenten um die Gunst Klärchens während einer wilden Prügelei aneinander geraten. Gunderloch wirft die Streithähne allesamt aus der Gaststube und steht so als strahlender Sieger da.

Der alte Weingutbesitzer erblüht: Er entdeckt seine Neigung zu Annemarie, stößt auf Gegenliebe und verschwindet mit ihr in den Büschen, wo sie auf das endlich vereinte Paar Jochen und Klärchen treffen. Aber auch für den geschundenen Knuzius, der nach einem Vollrausch die Nacht auf dem qualmenden (!) Misthaufen verbracht hat, findet sich mit der Tochter des Wirts die geeignete Braut.

Die Nebenszenen haben es in sich: Der ewige betrunkene Winzermeister zieht dem Publikum gegenüber blank und die drei Kriegsveteranen, keine Ausgeburten der Schönheit übrigens, hauen bis zur Schmerzgrenze auf die Pauke. Am Schluss der Turbulenzen steht eine versöhnliche vierfache Verlobung am Fuße der Weinbergs. So gilt auch hier – nach dem Happy End wird abjeblend´t.

Tosender Applaus für Premiere

Cuxhavener Nachrichten, 26.03.2011
Die Theatermacher hauchen Zuckmayers “Der fröhliche Weinberg” pralles Leben ein

Von Jens Potschka

Cuxhaven. Dieses klassische Lustspiel funktioniert hundertprozentig! Das darf den Theatermachern aus Hamburg bescheinigt werden, die ihr Publikum mit der Tourneepremiere “Der fröhliche Weinberg” bestens unterhielten. […]

Die heimischen Theatergänger wurden schnell hineingezogen in die Welt der rheinischen Frohnaturen. Der Weingutbesitzer Gunderloch (trefflich gespielt von José Barros) möchte seine uneheliche Tochter Klärchen (Sylvie Wolfram überzeugt als naive Dorfschöne mit festem Willen) mit dem ehemaligen Korpsstudenten Knuzius, einem ausgemachten Fatzke, verheiraten. Fabian Cordua parodiert den ehemaligen Korpsstudenten Knuzius bravourös. Mit all seinen Marotten und Manierismen hat er viele Lacher auf seiner Seite. Seine vom politischen Jargon nationalistischer Kreise durchzogenen Reden lassen allerdings aufhorchen und nehmen den dunklen Teil deutscher Geschichte gewissermaßen vorweg. […]

Die turbulenten Szenen in dem von Silke Thoss gestalteten Bühnenbild mit seinen naiv gemalten Weinbergen, Weinflaschen und Gläsern haben es in sich und es ist eine Freude mit anzusehen, mit welcher Energie dieses Ensemble den historischen Lustspielstoff nebst Liedern mit spielerischem Elan in zwei Stunden erzählt.

Der fröhliche Weinberg

Carl Zuckmayer

Ein Lustspiel

Der Wein und die Liebe spielen die Hauptrollen in Zuckmayers bacchantischen Hommage auf das Leben, das sich nicht kommandieren lässt. Der Weingutsbesitzer Gunderloch möchte die Hälfte seines Besitzes verkaufen, die andere – unter der Bedingung, dass Nachwuchs unterwegs ist – seiner Tochter vererben und sich selbst zur Ruhe setzen. Doch nach einer durchzechten und durchtanzten Spätsommernacht kommt alles ganz anders. Falsche Lebenspläne, falsche Liebhaber und falsche Schwüre landen buchstäblich auf dem Misthaufen…


Weitere Szenenbilder: “Der fröhliche Weinberg

 

Die Komödie »Der fröhliche Weinberg« machte Carl Zuckmayer 1925 zum Kleist-Preisträger und über Nacht zu einem der erfolgreichsten deutschen Dramatiker. Von 1925 bis 1933 war »Der fröhliche Weinberg« eines der meistgespielten Theaterstücke in Deutschland. Zuckmayer erzählt in seiner Autobiographie von der Berliner Premiere seines Stückes im Dezember 1925: »Bruck, der Regisseur, stand plötzlich neben mir ›Lachsalven‹, flüsterte er, ›Szenenapplaus!‹ (…) Als der Pausenvorhang fiel, setzte ein Applaus ein, das ich glaubte, der Kronenleuchter müsse herunterstürzen…«

Schillers „Räuber“ in die Neuzeit katapultiert

Neue Osnabrücker Zeitung, 20.09.2010

Theatermacher aus Hamburg überzeugen in Sögel mit zeitloser Parabel über jugendliche Welt- und Lebensentwürfe

Von Roland Quinten

Sögel. Es gibt in Deutschland – nicht nur bei Pädagogen, sondern auch beim kulturell interessierten Publikum – eine stille Übereinkunft darüber, was unter einem „Literatur- Klassiker“ zu verstehen ist, also unter einem Text, sei es ein Gedicht, ein Prosatext oder ein Drama, von dem man überzeugt ist, dass es notwendig und nützlich ist, ihn zu kennen.

Diese Literatur findet sich nicht nur in Lektürekanons kultusministerieller Lehrpläne wieder, sondern gehört zum selbstverständlichen Repertoire von Theaterbühnen. Zu diesen Klassikern gehört auch Schillers erstes Jugendwerk „Die Räuber“, das am Samstagabend in der Aula des Hümmling-Gymnasiums in Sögel von der jungen Theatertruppe der „Theatermacher“ aus Hamburg mit großem Erfolg aufgeführt wurde. Doch Vorsicht! Es ist nicht leicht, einen solchen Klassiker mit reichlich Staub und Patina – Schillers Stück ist immerhin schon 230 Jahre alt – so aufzuführen, dass es nicht nur ältere bildungsbürgerliche Schichten anzusprechen versteht, sondern auch junge Menschen, die so alt sind wie Schiller, als er die „Räuber“ schrieb.

Michael Jurgons, der als Regisseur Schillers Stück mit seinen 13 Schauspielern in die Neuzeit katapultierte, wusste genau, was er tat. Er verzichtete auf jegliche Form von Ideologie oder politischen Konzepten, legte den Schiller’schen Anspruch auf moralische Unterweisung seines Publikums beiseite und konzentrierte sich auf das, was die „Räuber“ tatsächlich zum zeitlosen Theaterstück macht. Seine Inszenierung verkörpert die ungeheure Energie der jungen Generation. Seine Räuber sind weder politisch noch religiös motivierte Terroristen, sondern Getriebene ihrer Leidenschaften. Sie rebellieren gegen die Weltordnung ihrer Väter und verzweifeln an der den Willen Gottes offenbarenden Natur. Sie suchen Glück, Liebe, Anerkennung, Macht und Wahrheit in einer eigenen, von traditionellen Werten losgelösten Welt – und scheitern letztendlich. Durch diesen modernen Fokus macht Jurgons zusammen mit seinem überzeugend agierenden Schauspielerensemble aus dem „Klassiker“ eine zeitlose Parabel über jugendliche Welt- und Lebensentwürfe, die der eigentliche Motor jeder Form von menschlichem Zusammenleben sind.

Das Bühnenbild von Carolin Roider stellte einen ansprechenden Hintergrund für das energetisch hoch aufgeladene, zuweilen bis an die Grenzen des Chaotischen tastenden Bühnenspiels zur Verfügung. Sehr gut gefiel auch die Idee, einzelne Szenen durch hervorragende Schlagzeugsoli zu akzentuieren. Kompliment.

Gastspiele: Emilia Galotti

Eemilia Galotti

Eemilia Galotti

Plakat „Emilia Galotti“

Video „Emilia Galotti“

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