Mit Dolch und Dolce Vita

Deister- und Weserzeitung, 19.9.2011

Emilia Galotti feiert Premiere im Theater Hameln

Von Julia Marre

Hameln. Traurig liegen die blutroten Pumps auf der Bühne. Daneben: eine rote Stoffrose, gerupft und zerzaust. Davor: eine sterbende Emilia Galotti. Dahinter: ihr erschütterter Vater Odoardo. In wenigen Minuten wird ein langer Schlussapplaus durch den Theatersaal rauschen. Das Publikum wird johlen und anerkennend pfeifen. Die Schauspieler werden erleichtert lächeln und sich verbeugen. Das Ensemble wird rote Rosen – weder gerupft noch zerzaust – erhalten. Im Foyer werden Mütter zu ihren Töchtern sagen: „War doch gut, oder?“
Ja, die Aufführung der Theatermacher, die seit Mittwoch am Hamelner Haus geprobt hatten, war eine gute. Eine durchaus gelungene. (…) Im Fall von Gotthold Ephraim Lessings „Emilia Galotti“ wagt das Ensemble eine zaghafte Modernisierung. Die tragische Geschichte der jungen Emilia, die den wohlhabenden Grafen Appiani heiraten soll, beginnt nach einem kurzen Prolog (…) – Dann geht’s zur Sache. Der Prinz kann sich kaum konzentrieren, denkt immerzu nur an Emilia. Er ist verliebt und möchte die Hochzeit seiner Angebeteten verhindern. Sein Kammerherr Marinelli soll’s richten – und plant eine Intrige gegen Appiani. Dabei wird der Graf tödlich verletzt. Emilia lässt der Prinz auf sein Lustschloss entführen, wo sie durch die Hand ihres Vaters stirbt.
Keine Frage: Die Inszenierung von Michael Jurgons ist eine temporeiche, die sich konsequent an Lessings Text hält. Ein Hauch von Mafia ist zu spüren. Botticellis „Venus“ schleckt im Bühnenbild (Silke Thoss) ein Eis, auf dem antiquierten Sessel liegt ein Pizzakarton. Und der Prinz düst schon mal mit einem gelben Papp-Ferrari durchs Bild. Das ist frisch und frech – und macht großen Spaß. (…) Alexander Bornhütter als Marinelli brilliert in jedem Auftritt. Gräfin Orsina (Nela Schmitz) spielt einen kurzen, aber sehr beachtlichen Part. Ebenfalls nennenswert: Ina Blus als Brautmutter Claudia Galotti, Martin Heise als Appiani und Andreas Pfundstein in den Rollen des Malers Conti oder des Gangsters Battista.(…)