Kreuzfidele Ensembleleistung mit leisen Momenten

az-online, 20.02.2012

„Die Leute essen, trinken, lungern rum und reden Unsinn – genau das muss man auf der Bühne zeigen.“ Anton Tschechow

Von Barbara Kaiser

Am Freitag waren „Die Theatermacher“ zu Gast im Theater an der Ilmenau.

Den Zuckmayer – dieses Stück derben Witzes, der Karikatur; diese Posse, die Dutzende Theaterskandale auslöste – nahm Regisseur Michael Jurgons als ausgelassenen Theaterkindergarten und intellektuelle Skurrilitäten-Spielweise. Er installiert einen exzentrischen Kosmos an Figuren, leidenschaftlich leidend, gallig ironisch, sentimental triefend. Nicht einmal die hochpromillige Kneipenprügelei verrät er an billige Effekte, sein Ensemble ist physisch absolut auf der Höhe und der Schweiß der Anstrengung ist noch vor der Pause bis in die erste Reihe zu riechen.(…)

José Barros ist der sympathische Weinbergbesitzer Gunderloch, bei dem der Diffamierungsgroll aus des Dichters Heimatdorf sich nicht nachvollziehen lässt. Dass sich die Burschenschaften durch Knuzius (Fabian Cordua: stramm, schön, gefühllos) verhohnepipelt fühlten, versteht man dagegen sofort. Ann-Christin Ahle (süßes, liebesverrücktes Klärchen), Patrick Abozen (eifersüchtiger Jochen) und Ina Blus (redliche Annemarie) geben ihren Figuren Profil. Lust wider alle Biederkeit und ein auch verbal gefährlich eskalierender Stammtisch katapultieren manchmal direkt ins Heute. Gesten, Zwischenrufe blitzen auf und machen Angst – zeitlose. Ohne Zweifel war die Aufführung eine kreuzfidele Ensembleleistung, die sich nicht in unfreiwilliger Albernheit verfranst. Laut-fröhliche Musikeinlagen tun übriges und die beißende Satire des Autors kann man mit gutem Willen auch hören. Am Ende noch mal Tschechow: „Eine Krise kann jeder Idiot haben, was aber zu schaffen macht, ist der Alltag.“ Wie zu beweisen war: Solch ein Weinberg-Alltag allemal.